Abschiedsinterview mit Pfarrer Uttenreuther


Grußworte
Liebe Pfarrangehörige,
wie Sie sicherlich bereits mitbekommen haben, verlässt uns Herr Pfarrer Christoph Uttenreuther nach 18 Jahren seelsorgerischen Wirkens, um zum 1. September eine neue Stelle in Erlangen anzutreten. Dies kam für uns alle, auch für die Verantwortlichen in der Pfarrei, sehr überraschend und wir bedauern dies sehr. Selbstverständlich respektieren wir den Wunsch von Pfarrer Uttenreuther und wünschen ihm schon jetzt alles Gute für die Arbeit in seinem neuen Wirkungsbereich, in dem er sich hoffentlich mit etwas weniger Verwaltungsaufgaben beschäftigen muss. Ich darf Sie alle recht herzlich zu unserem Pfarrfest am 09.07.2023 einladen, in dessen Rahmen wir im Anschluss an den Gottesdienst (14.00 Uhr im Pfarrgarten) Pfarrer Uttenreuther offiziell verabschieden wollen.
Im Juli werden wir auch unseren Pastoralreferenten Philipp Fischer verabschieden, der uns ebenfalls Ende August verlassen wird.
Ich darf Ihnen aber auch mitteilen, dass wir mit Pater Dieter Lankes zum 01.09.2023 einen neuen Pfarrvikar bekommen werden, sodass die Seelsorge in Hallstadt und Dörfleins auch weiterhin gewährleistet ist. Verbunden mit dem Dank an Pfarrer Christoph Uttenreuther und Pastoralreferent Philipp Fischer wollen wir voll Hoffnung und Zuversicht nach vorne schauen!
Günter Hofmann, Kirchenpfleger
Interview
Lieber Herr Pfarrer Uttenreuther!
Als Sie uns Ende April mitgeteilt haben, dass Sie die Pfarrgemeinde St. Kilian Hallstadt verlassen und im Herbst in Erlangen, St. Theresia als Pfarrvikar anfangen, hat uns diese Nachricht „kalt erwischt“ und uns sehr betroffen gemacht.
Natürlich kamen viele Fragen auf, von denen wir Ihnen einige heute stellen wollen:
Als Sie im Jahr 2005 nach Hallstadt kamen, war das für Sie sicher eine große Umstellung. Aus der Stadtpfarrei St. Gangolf in Bamberg nach St. Kilian in Hallstadt, nur 4 km nach Norden und doch in eine ganz andere, damals sehr traditionsverhaftete Welt. Erinnern Sie sich noch an den Anfang Ihrer Zeit hier in Hallstadt?
Ja, sehr gut und gerne! Ich kam in eine sehr lebendige Gemeinde, in der großes ehrenamtliches Engagement geleistet wurde. Viele haben mich herzlich aufgenommen, waren für Neues in der Liturgie offen und haben mich sehr in der Arbeit unterstützt. Auch hat mich gefreut, dass der Einsatz für die Dritte Welt hier in Hallstadt so großgeschrieben wurde.
Es war für mich aber auch eine neue Erfahrung, als Person des öffentlichen Lebens einerseits sehr geachtet, andererseits aber auch streng beurteilt zu werden. Und da Pfarrer Eizenhöfer andere Stärken hatte als ich, wurden auch meine Schwächen schnell erkannt.
Sie haben 18 Jahre hier ausgehalten, sind sozusagen volljährig geworden, und wir hatten gehofft, dass Sie bleiben. Aber obwohl Sie in der Gärtnerstadt Hallstadt langsam auch Ihre Liebe zum (Pfarr-) Garten entdeckt haben, gehen Sie nun. Im November pflanzten wir mit Ihnen noch Bäume im Pfarrgarten, im August gehen Sie …
Luther hat gesagt: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Die Welt wird aber nicht untergehen, wenn ich gehe.
Was hat Sie zu diesem Weggang bewogen?
Nach meiner Amtseinführung in Hallstadt stand in einer auswärtigen Zeitung: Kaum in Hallstadt angekommen, kündigt Pfarrer Uttenreuther schon seinen Weggang an. Hintergrund war, dass mich jemand gefragt hatte, wie lange ich wohl bleiben würde. Ich sagte, 10 bis 12 Jahre wären eine gute Zeit. Denn zu langes Bleiben fördert die Gefahr der Betriebsblindheit und jeder Wechsel ist die Chance, dass ausgetretene Wege verlassen werden und andere Ideen und Leute zum Zug kommen. Ich habe immer wieder verlängert. Zunächst wollte ich in der Nähe meiner Mutter bleiben, solange sie lebte, dann wollte ich mithelfen, dass nach Corona das Gemeindeleben wieder in die Gänge kommt. Wären mir die Menschen und die Gemeinde hier nicht ans Herz gewachsen, wären es keine 18 Jahre geworden. Schließlich wollte ich tatsächlich bis zum Ruhestand bleiben. Aber ich habe noch 10 Dienstjahre vor mir und das Gefühl, in Hallstadt gegeben zu haben, was ich geben kann.
Noch etwas spielt mit: Lange dachte ich, es sei dem Leitenden Pfarrer nicht zuzumuten, wie vorgesehen, meinen Verwaltungsbereich mit zu übernehmen. Nun merke ich aber, dass die neue Struktur des Seelsorgebereichs kaum eine andere Lösung zulässt, weil sonst vieles noch komplizierter wird.
Wer bestellt nun Ihren Garten?
Es freut mich, dass Pater Dieter Lankes vom Orden der Karmeliten ab September als Pfarrvikar kommt und hier im Pfarrhaus wohnen wird. Er hat mein Alter. Wir haben zusammen studiert. Ich bin sicher, dass er den Weinberg des Herrn gut bestellt. Vielleicht hat er ja auch am Garten Freude.
Viele nahmen Sie nur als denjenigen wahr, der Gottesdienste hielt, Paare traute, Kinder taufte, Erstkommunionkinder und Firmlinge vorbereitete, Kranke besuchte und Verstorbene beerdigte. Welche Aufgaben hatten Sie sonst noch zu erfüllen? Was haben Sie besonders geschätzt?
Was sie aufgezählt haben, nahm schon einen breiten Raum ein, da ja jeder Gottesdienst auch vorbereitet sein will. Zu den wertvollsten Erfahrungen im Dienst gehörte, wenn mir Menschen ihre Probleme anvertrauten und ich wirklich Seelsorger sein konnte. Sehr gerne ging ich auch mit meiner Handpuppe „Fridolin“ in den Kindergarten, eine biblische Geschichte zu erzählen. Auch die „Trainingslager“ der Ministranten oder die Radwallfahrten gehörten zu den Highlights.
Ein Pfarrer verbringt aber auch viel Zeit am Schreibtisch und in Sitzungen. Die Organisation und die Verwaltung der vielen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft kostet Zeit und Kraft, besonders, wenn schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen. Zum Glück gibt es Kirchenpfleger(innen) und Kirchenverwaltung.
Haben Sie Erfahrungen in diesen 18 Jahren gemacht, aus denen Sie gelernt haben? Was hat Sie besonders berührt?
Oft haben mir Menschen von ihrem Leben und ihrer Glaubenserfahrung erzählt. Ich glaube, da habe ich am meisten gelernt. Hier habe ich auch von schmerzlichen Schicksalen erfahren, die mich sehr berührt haben.
Werden Sie einiges vermissen, was Ihnen den Weggang nicht ganz leicht gemacht hat? Wo waren Ihre Lieblingsorte?
In meinem ganzen Leben habe ich bisher nirgends so lange gewohnt wie im Hallstadter Pfarrhaus. Da fällt der Abschied nicht leicht. Am schwersten fällt es mir, mich von den Menschen zu verabschieden, die mich gut aufgenommen haben, die mich unterstützt und bestärkt haben, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin.
Bei vielen liebgewordenen Veranstaltungen sahen wir Sie zusammen mit dem Ehepaar Wittmann-Schlechtweg von der evangelischen Johannes-Gemeinde: Was bedeutet für Sie gelebte Ökumene?
Mit Susanne und Andreas ist eine wirkliche Freundschaft gewachsen – dienstlich wie privat. Wir waren immer ehrlich zueinander, haben die Schätze der jeweils anderen Kirche und die Schwächen der eigenen gesehen, und nicht nur umgekehrt. Wir haben uns kollegial beraten und unterstützt, theologisch diskutiert und miteinander gebetet und gesungen. Wir sind nicht in allem einer Meinung, glauben aber, dass Einheit nicht Uniformität sein muss, weil ja auch Menschen Unterschiedliches von der Kirche erwarten. Ich denke, so kann gelebte Ökumene aussehen.
18 Jahre Kirche, das war ja nicht nur St. Kilian Hallstadt und St. Ursula Dörfleins. Was hat Sie in der katholischen Kirche besonders bewegt, im positiven wie im negativen Sinn?
Ich habe hier in Hallstadt einen Papstwechsel erlebt. Franz(iskus) hat drei Enzykliken geschrieben, die ich mit großer Zustimmung gelesen habe: Über die Freude des Evangeliums, über die Freude der Liebe und über Bewahrung der Schöpfung. Er möchte, dass die Kirche nicht um sich selbst kreist, sondern Menschen am Rande dient. Das hilft mir sehr, mich in der Kirche am rechten Platz zu wissen. An praktischen Reformen hatte ich mir mehr erhofft. Er reformierte schon, aber m.E. zu langsam und zu wenig. Und was wird Rom von dem tolerieren, was wir auf dem Synodalen Weg beschlossen haben? Ich hoffe und fürchte. Trotzdem war dieser Gesprächsprozess für mich eine überwiegend positive Erfahrung.
Das Negative der letzten 18 Jahre Kirchengeschichte liegt auf der Hand: Das kirchliche Leben hat überall stark abgenommen. Christen werden zur Minderheit. Schmerzlich ist für mich der Missbrauchsskandal an sich, aber auch seine Auswirkungen auf die Pfarreien, in denen – soweit wir sehen – nichts vorgefallen ist. Corona kam als Brandbeschleuniger hinzu.
Ja, ich mache mir Sorgen und frage mich, ob denjenigen, die ihren Glauben privat bewahren, aber den Kontakt zu Gemeinde und Gottesdienst kaum mehr pflegen, bewusst ist, wie sehr die Gemeinde sie braucht, um diesen Glauben auch an Kinder und Jugendliche weiterzugeben.
Welche Hoffnungen und Erwartungen haben Sie an Ihren neuen Arbeitsplatz?
Ich habe keine speziellen Hoffnungen und Erwartungen. Ich lasse alles auf mich zukommen und bin gespannt und offen für die Menschen und Situationen.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die er nicht ändern kann, Energie und Mut, das zu tun, was ihm möglich ist, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie uns in all den Jahren als Pfarrer geführt und begleitet haben. Danke für die Frohbotschaft, die Sie uns verkündet haben. Danke für die Predigten (manche sogar in Versform), die nicht bei der Exegese stehen blieben, sondern den Transfer in unseren Alltag enthielten.
Danke für die vielen Feiern, fröhliche wie traurige, die wir miteinander hatten.
Danke für die vielen Aufgaben, die Sie im Hintergrund für die Pfarrgemeinde übernommen haben.
Wir könnten uns noch für viel mehr bedanken, schließen aber mit einem herzlichen „Vergelt's Gott“.
Auch wenn der Abschied uns schwerfällt, wünschen wir Ihnen nun einen guten Weg in Ihren neuen Lebensabschnitt. Wie sagten Sie selbst: Erlangen ist ja nicht aus der Welt! Und es gibt moderne Kommunikationsmittel …
Dieses Interview führte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Adelheid Leicht.


